Willkommen auf der Homepage von Tabea und Dinu. Ihr seid hier auf Dinu's Bericht vom Bieler 100er gelandet. Ausserdem hat Tabea einen Bericht über ihren Halbmarathon verfasst und Dinus Supporterin hat uns auch noch einen Bericht versprochen - der wird noch folgen!
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100km Lauf Dinu - Erlebnisbericht

verfasst von Dinu am 19.6.2017

In der Woche vor dem 100er lief ja noch Einiges – am Mittwochabend zum Beispiel waren wir in Zürich am Guns N’ Roses Konzert in Zürich – im Bett waren wir erst um etwa 2 Uhr. Ich fand, das sei die optimale Vorbereitung: Angewöhnen, in der Nacht auch aktiv zu sein.

Am Mittwoch war ich bei der Massage, am Dienstag und am Donnerstag nochmals bei der Physiotherapie. Die Schmerzen am Schienbein waren eigentlich weg (nach mehreren Monaten Schmerzen eine Erleichterung), dafür hatte ich ja neu Schmerzen im Fussgelenk – der Zehenstrecker, welchen ich unbewusst mehr belastet hatte, um das Schienbein zu schonen. Am Donnerstagmorgen war ich nochmals 15min Joggen, ein leichter Druck im Fussgelenk blieb vorhanden. Die Physiotherapeutin löste, mobilisierte und zentrierte nochmals und meinte: «Kaputtmachen wirst Du Dir nichts, was man sich auf 100km nicht sowieso kaputt machen wird. Allerdings wirst du früher oder stärkere Schmerzen haben, wie Andere». Darauf entschied ich mich dazu, definitiv zu starten. Ich bin heute noch überzeugt, dass ich bei einem schlechten Gefühl auch abgesagt hätte.

Am Donnerstagabend hatte ich noch, zusammen mit dem Klinikdirektor der Endokrinologie des Inselspitals, einen Vortrag zu «Diabetes und Sport», am Freitag arbeitete ich von 9:00 bis 15:30 – ich hatte also keine Zeit, um nervös zu werden. Mittags gabs 2 Portionen Spaghetti plus etwas Reis und Fisch und Brot – die Energiespeicher waren also gefüllt.

Meine Supporterin traf ich in Aarberg, wo wir die nächsten Stunden vorbesprachen. Reise nach Biel, Parkplatz finden ohne abgeschleppt zu werden, Startnummer abholen, Materialcheck, Lasagne essen, Inlinerennen verfolgen, umziehen, Velo befüllen, Supporterin verabschieden (die reiste mit allen anderen Velosupportern nach Lyss), den Start des Mannes verfolgen, welcher die 100km von Biel RÜCKWÄRTS laufen wollte (und das auch geschafft hat) und plötzlich merken: Ich starte in 30 Sekunden! Tabea verabschieden, fast zu hinterst einreihen und losgehts! Zu Beginn trottet man, ich überhole ein paar andere Läufer, treffe einen Kollegen und schwatze kurz, jöggerle weiter. Ich versuche, mit einer Mischung aus zügigem Laufen und leichtem Joggen möglichst wenig Schläge in die Beine zu bekommen. Das Schienbein spüre ich nicht, im Fussgelenk während den ersten 3km ein leichtes Stechen, danach ist Ruhe dort unten! Den ersten Anstieg gehe ich hoch und verzichte aufs Joggen – damit bin ich nicht der Einzige. Für die ersten Kilometer habe ich zwischen 6:30 und 7min. pro km, was ich als nicht schlecht erachte. Aarberg rückt näher und gleichzeitig auch die Chance, dass Tabea mich von hinten einholt. Allerdings komme ich gut vorwärts, passiere Aarberg und nähere mich langsam Lyss, wo ich Franziska, meine Supporterin, wieder treffen werde. Kurz vor Lyss habe ich leichte Magenkrämpfe und leichte Schmerzen in den Oberschenkeln. So, wie ich es von Kilometer 28 bei einem Marathon kenne – aber hier bin ich ja langsamer unterwegs und bin noch nicht einmal bei km 20. Naja, die fehlenden Laufkilometer der vergangenen Wochen scheinen sich nun zu rächen.

Es ist toll, meine Supporterin wieder zu sehen und nun zu zweit unterwegs zu sein. Ich erfahre tolle News – Tabea hat den Halbmarathon in neuer persönlichen Bestzeit gefinisht! Sie ist fit wie ein Turnschuh, das ist unglaublich! Dummerweise glaubt sie es selber noch nicht…..

Nun geht es eine Weile lang oft auf und ab im steten Wechsel. Sind die Passagen steil (auf- wie abwärts) marschiere ich, um meine Muskeln und Gelenke zu schonen. In den flachen Passagen überhole ich stetig Läufer! Sind die alle zu schnell gestartet? Oder überfordere ich mich gerade? Bereits bei Kilometer 15 habe ich den ersten Läufer angetroffen, welcher völlig verschwitzt am Strassenrand war und erbrechen musste – wenn der nicht zu schnell gestartet war…… Auch sieht man hier Läufer, welche bereits etwas humpeln – somit ist mein Ziehen in den Oberschenkeln harmlos.

Durchs Limpachtal komme ich langsam in einen Flow, es läuft gut, ich überhole Läufer und bin optimistisch, den 100er finishen zu können. Unterwegs treffe ich auf Tabea und Viviane, die nach dem Halbmarathon noch an die Strecke gereist waren. Kurz zuvor hatte ich noch mit Tabea telefoniert – sie könne nicht kommen, da sie am Lauf den Autoschlüssel verloren habe. Nun hatte sie ihn zum Glück gefunden, was mich freute und noch mehr beflügelte.

Aber die Strecke im Limpachtal ist lang – etwa 7km immer geradeaus, zu Beginn flach, mit der Zeit auch leicht auf und ab. Zusätzlich leichte Bauchkrämpfe, schmerzende Beine und der Kopf, welcher sagt: „So, wie Du unterwegs bist, schaffst Du den ersten Marathon in knapp unter 6h – und dann folgen noch 1,5 weitere, welche garantiert langsamer und härter werden! Und du bist bei Kilometer 32…..“ Ich bin dann beim Verpflegungsposten etwas länger stehen geblieben, etwas gegessen und meine Beine mit einem kühlenden Spray behandelt. Da sich dank der Pause auch mein Magen beruhigte, joggte ich kurz darauf weiter – nun gings in Richtung Mülchi und danach über mehrere Anstiege nach Jegenstorf. Da wurde ich (am Morgen früh – es war kurz nach 4:00) von Kollegen empfangen. Da mein Magen wieder rebellierte, habe ich wieder gegessen und ein paar Tropfen Iberogast zur Beruhigung des Magens genommen – zuvor mussste ich aber dummerweise noch aufs Toitoi mit Bauchkrämpfen. Ich sass noch einen Moment auf dem Klappstuhl der Kollegen und ging dann weiter, wissend, dass ich auch nach der Pause noch etwa 10min vor der errechneten Marschtabelle lag.

Die ersten paar Schritte nach der Pause waren schmerzhaft, bald schon war ich aber wieder leicht joggend unterwegs und konnte einige der Läufer, welche mich während meiner Pause überholt hatten, wieder einholen. So ging es Kirchberg (Kilometer 56) zu. Kirchberg ist ein wichtiger Punkt, ab da geht es auf den Emmendamm mit dem berühmt-berüchtigten «Ho-Chi-Minh-Pfad». Dieser ist uneben und eng, die Velofahrer müssen aussenherum fahren und stossen bei Kilometer 67 wieder dazu! Auf Anraten diverser erfahrener Läufer hatte ich mir doch eine extrastarke Stirnlampe für dieses Teilstück gekauft – und nun wars bereits ohne Lampe hell!

In Kirchberg habe ich alles Wichtige (Getränke, Verpflegung, Traubenzucker, Natel, etc.) von meiner Begleiterin übernommen und musste nochmals aufs Toitoi – danach nahm ich eine Kohlentablette!

Zu Beginn des Emmendamms konnte ich munter andere Läufer überholen, ich war motiviert und hatte unterwegs das Gefühl: «Also bisher läufts ja recht gut, das Ganze macht sogar Spass, ich kann mir gut vorstellen, im nächsten Jahr besser trainiert wieder zu starten!». Doch dieses Teilstück ist sehr uneben, dadurch muss man bei jedem Schritt mehr stabilisieren, was sehr anstrengend ist! Es zehrt an den Kräften. Gegen Ende des Stücks wurde nun plötzlich ich andauernd überholt, obwohl ich das Gefühl hatte, nicht langsamer geworden zu sein. Motivierend war das allerdings nicht. Zum Glück war der Emmendamm bald zu Ende und ich traf meine Supporterin, welche fand, dass die meisten nach dem Emmendamm nicht mehr so toll aussehen würden – nicht zu Unrecht wird dieses Stück als Schlüsselstelle betrachtet. Nun näherte ich mich Lohn, wo einerseits die «70 Kilometer-Tafel» wie auch mein Götti warteten. Das motiviert, und so konnte ich immer wieder ein paar 100 Meter joggen um dann ein paar Schritte zu spazieren. Bei meinem Götti und seiner Frau (auch sie waren in aller Frühe aufgestanden) machte ich eine Pause, plauderte kurz und sprayte wieder meine Beine ein. Das Anlaufen nach Pausen war immer wieder hart, in diesem Fall machte ich etwa 200m später in einer Kurve einen leichten «Misstritt» - ich knickte leicht ein und verspürte stechenden Schmerz in der Hüfte und an einem Punkt im Oberschenkel. Kurz anhalten, versuchen zu dehnen, mobilisieren, ausschwingen und dann probierte ich weiter zu gehen. Es war nur noch ein Humpeln, das Stechen wollte nicht verschwinden! Und während ich so dahinhumpelte wurde ich so richtig müde.

20min später oder knapp 1 Kilometer weiter trank ich am Verpflegungsposten ein Cola und marschierte weiter. Der Schmerz hatte nachgelassen, die Müdigkeit war umso brutaler. Zusätzlich begann nun die Sonne richtig zu scheinen und ein steiler Anstieg im Wald forderte mich zusätzlich. Fast zu oberst lehnte ich mich mit dem Kopf an eine «Scheiterbeige», um mich etwas zu erholen. Da hatte ich aber das Gefühl, dass sich rund um mich alles drehen würde, worauf ich sofort versuchte, weiter zu marschieren – mit dem Mund weit aufgerissen – «Gähn». Nun gings bergab auf einem Waldweg – mit mangelnder Konzentration nicht gerade einfach. Ein Schluck Cola später versuchte ich unten auf der Strasse ein wenig zu joggen! «Bis zum nächsten Pföstchen an der Strasse», nahm ich mir jeweils vor – knappe 50m. Im Wechsel «Traben» und "müdes marschieren" kam ich bis zum nächsten Verpflegungsposten, der zum Glück nicht weit vom Letzten entfernt war. Allerdings hatte ich für die knappen 5km eine ganze Stunde benötigt! War ich in Lohn noch 20min vor der errechneten Marschtabelle war ich nun etwa 20min hinterher. Und nun setzte ich mich auf ein Holzbänkli beim Verpflegungsposten! Etwa 10 Minuten und 2 Becher Cola später fand ich, dass es nun reicht, und stand auf. Ok, die Strasse führte nun auf den letzten Hügel, recht steil! Ich marschierte darum nun los, aber doch etwas zügiger wie zuvor! Auf der anderen Seite gings abwärts, ich blieb beim Wandern, mehr oder weniger die ganze Zeit bis Arch. Dort musste ich mir unbedingt Sonnencreme einreiben, den die Sonne brannte nun unglaublich stark. Ein Schluck Cola und weiterging es, nun lag leichtes Joggen wieder besser drin. Ausgangs Arch wartete mein Bruder mit Familie und Tabea (sie war mit dem Bike nach Büren gedüst und wollte ein Stück mit mir mitfahren) auf mich. Auch hier hielt ich kurz an um zu plaudern und mich für die tolle Unterstützung zu danken – das tat immer unglaublich gut, zu wissen, dass da Jemand auf mich wartet um mich zu unterstützen!

Und ab Arch war klar: Nun geht alles flach der Aare nach! Da stand dann auch das 80km Schild, für die letzten 10km hatte ich über 2h gebraucht – zuvor waren es deutlich weniger. Aber ich konnte nun plötzlich wieder joggen! Zwar langsam, aber stetig! Tabea erzählte von ihrem Erfolg am Halbmarathon und lenkte mich auch noch etwas ab und bei Kilometer 85 überholte ich 3 Teilnehmer, welche fanden, sie hätten in den letzten 2 Stunden keine Jogger mehr gesehen! Alle paar Minuten trank ich etwas Cola, Tabea musste in Büren eine zusätzliche Flasche organisieren! Die Beine schmerzten zwar, an den Füssen spürte ich 2 Blasen und die Sonne brannte immer wie stärker – aber ich freute mich auf den Zieleinlauf und trabte vor mich hin. Mit der Zeit begann ich zu rechnen und merkte, dass es möglich sein könnte, in weniger als 15h ins Ziel zu kommen – dafür musste ich aber dranbleiben. Immer wieder musste ich ein paar Schritte spazieren, diese Pausen wurden aber immer wie kürzer. Ab Kilometer 95 stand dann bei jedem Kilometer eine Distanztafel – und ich wurde von Kilometer zu Kilometer zu schneller. Noch auf dem zweitletzten musste ich ein paar Schritte gehen – wobei ich ja sagen muss, dass ich ursprünglich nicht damit gerechnet hatte, ab Kilometer 80 nochmals Joggen zu können!

Auf dem letzten Kilometer gab ich nochmals richtig Gas, einerseits um unter 15 Stunden zu bleiben und andererseits weil die Zuschauer (vor allem eine war extrem laut 😉) mich anspornten. Die Zielgerade kostete ich so richtig aus, mit ausgestreckten Armen genoss ich den Moment, auf den ich mich so gefreut hatte – es war unbeschreiblich!  

Und nun sass ich da, in einem Zelt, auf einem Stuhl, die Medaille um den Hals, das alkoholfreie Finisherbier in der Hand,  total zufrieden und erschöpft. Irgendwann stand ich auf, liess mir von den anwesenden Freunden und Bekannten gratulieren und setzte mich in den Schatten. Ich plauderte mit einem erfahrenen Läufer, welcher fand: „Der 100er, der beginnt ab Kilometer 70“!  Ja, das habe ich heute auch gelernt!

Die Garderobe war ein Stück entfernt, ich humpelte dorthin. Die Dusche war ein Stock weiter unten – das ging erstaunlich gut! Danach gabs das Finishershirt! Finisher-100km von Biel steht da drauf! Wahnsinn!

Nun musste ich etwa 300m zum Restaurant gehen, wo eine ganze Truppe auf mich wartete. Tabea lieh mir dazu ihr Bike – ihr hättet mich elegant aufsteigen sehen sollen!

Ich trank ein Kokos-Shake (20 Minuten nach dem Regenerationsshake) und gönnte mir ein Dessert und schlief am Tisch fast ein – der fehlende Schlaf machte sich nun so langsam bemerkbar.

Wir wurden nach Hause chauffiert, ich räumte ein wenig aus und dann gings ab an den Wohlensee. Die Beine ins kühlende Nass zu halten war eine Wohltat. Danach döste ich 2h an der Sonne, unterbrochen von Tabea, welche mir ein Glace servierte. Zurück zu Hause wurde das Chaos beseitigt während Tabea das Abendessen (Birchermüesli mit Proteinpulver angereichert) zubereitet. Und kurz nach 21:00 fiel ich ins Bett und schlief bereits nach ein paar Sekunden ein.

Nachdem Dinu sein grosses Saisonziel erreicht hat, steht nun Tabea's 1. Saisonhighlight vor der Tür. Der Swissman kommt in grossen Schritten auf uns zu. Die Wettervorhersagen sind grandios - wobei etwas zu heiss.

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Dinus Facts

 - Ich bin in der Vorbereitung nie länger als 30km am Stück gerannt! Es gibt

Sportler, welche empfehlen, Trainings-Läufe

bis zu 60 oder 70km oder 1-2 Marathons als Wettkampf zu absolvieren. Es gibt

aber auch Spezialisten, welche sagen, dass man sich von so einem langen Lauf

viel zu lange erholen muss und darum besser häufiger oder mit müden Beinen (Tag

1: Halbmarathon als Wettkampf, Tag 2 einen lockeren 20km Dauerlauf) joggen soll

oder am Anschluss an eine längere Radausfahrt noch einen Koppellauf absolvieren

soll. Ich habe mich an diese Variante gehalten.

- Salztabletten, Weggli, Lebkuchen und Cola gehörten zu den wichtigsten

Pfeilern in meinem Verpflegungskonzept. Zusätzlich habe ich an jedem

Verpflegungsposten angehalten und mich bei den Bananen, dem Brot oder den

Salzstängeli bedient!

- Ich fand die Begleitung durch eine Fahrradsupporterin sehr angenehm – ist nicht

obligatorisch aber sehr angenehm!

- Sonnencreme und –hut waren Gold wert am Samstag.

- Nach 100km war ich zwar recht müde, konnte aber noch fast besser laufen wie

nach einem Marathon!

- Ich konnte am Dienstag tatsächlich schon wieder arbeiten – die Beschwerden

lassen rasch nach, das Hochgefühl aber bleibt!

- Meine Schienbeinschmerzen (ausgelöst durch eine falsche Schuwahl) und der

gereizte Zehenstrecker (Schonhaltung wegen dem Schienbein) haben sich weder

während noch nach dem Hunderter

gemeldet! Der Einsatz der beiden Physiotherapeutinnen hat sich also gelohnt!

-Mein erster Hunderter wird höchstwahrscheinlich nicht mein

letzter gewesen sein…..

 

Tabeas Halbmarathon im Rahmen der Bieler Lauftage

Verfasst von Tabea am 12.6.2017 

Ich war recht nervös in den Tagen

vor dem Halbmarathon. Aber nicht wegen des Halbmarathons, sondern wegen Dinus

100er. Mich machte es fast "fertig" nicht zu wissen, ob er nun

starten wird oder nicht! Er liess sich mit der Entscheidung bis zur letzten

Minute Zeit. Als er dann am Donnerstagmittag mitteilte, dass er es versuchen werde, fiel

mir einen riesiger Stein vom Herzen. Obwohl ich nicht wusste, ob dieser Start

wirklich sinnvoll sein würde. In den letzten 2 Monaten konnte er sehr wenig

joggen und eigentlich müsste man genau in diesen Monaten das Laufpensum für

einen 100km Lauf erhöhen.

Ich war erstaunt, mit welcher

Lockerheit Dinu das Ganze nahm. Manchmal fragte ich mich, ob er weiss, dass er

100km laufen muss?! Ich würde auch sagen, dass bis zum Donnerstag Dinu sich

nicht wirklich mit den 100km auseinandergesetzt hat. Denn die Wochen zuvor war

er zu fest auf seine Fussschmerzen konzentriert und setzte alles daran, diese

weg zu bringen. Ich würde sagen, er hat wirklich alles gemacht von Physio,

Arzt, Kühlen, Dehnen, massieren etc. Jeden Morgen fragte ich ihn die übliche

Frage: Geht es deinem Fuss besser? Die Antwort hätte ich lieber nie hören

wollen.... vor allem wenn er sagte: Nein, leider nicht..... Und schon war meine

Hoffnung wieder kleiner geworden, dass er starten könnte.... Und was sehr

verwirrend war für mich, bereits 1.5 Wochen vor dem 100er hat Dinu begonnen, Kisten

zu packen für den Lauf. Ich stand jeweils kopfschüttelnd und verwirrt daneben.

Denn es sah so aus, als ob es klar sei, dass er starten würde.... obwohl er

immer sagte, er entscheide am Donnerstag vor dem Lauf. Aber er packte, wie wenn

er starten würde. Von aussen betrachtet sah das wirklich sehr komisch aus. Aber

ich konnte ja nicht mehr, als zuzuschauen und froh zu sein, dass ich nicht in

dieser Situation sein musste. Denn wäre ich in seiner Situation gewesen, hätte

ich den 100er schon lange abgesagt.

Dann kam der Freitag. Um 19Uhr gingen wir noch Pasta essen mit Dinus

Supporterin. Ich bestellte einen Salat und Gnocci mit Currysauce, wusste aber

selber nicht, ob das schlau war vor einem Lauf. Aber es waren ja noch 3h hin

bis zum Start. Zuerst starteten aber die Teilnehmer des Hunderters.

Es war sehr eindrücklich, all diese Leute zu sehen, welche so eine riesige

Distanz vor sich hatten - und Dinu war mitten drin. 30min später startete

auch ich beim Halbmarathon. Ich stand leider viel zu weit hinten ein. So konnte

ich den 1. km nur sehr langsam laufen. Die ersten 4km waren dann geprägt von

etwas Seitenstechen und Völlegefühl. Die Pasta schienen in diesem Moment nicht

wirklich förderlich gewesen zu sein. Bei km 3 holte ich eine Frau ein, die fast

mein Tempo lief. Ich liess sie aber stehen und dachte, die ist nun

weg.... Bei km 8 hörte ich einen Zuschauer zurufen, ich sei 7. Frau! Wau,

dachte ich mir, der hat echt die Frauen gezählt...? Ich konnte es aber kaum

glauben, dass ich 7. sein sollte.... Ich lief weiter, überholte immer mal

wieder eine Frau und zählte innerlich abwärts. Meine Beine waren so gut wie

selten. Die Ferse leider nicht so ganz. Auf den letzten 3km ereignete sich noch

Einiges. Plötzlich wurde ich von der Frau überholt, welche ich ganz am Anfang

meinte, sie abgehängt zu haben. Sie überholte mich nun in einem wahnsinnig

hohen Tempo. Ich hatte keine Chance, dranzubleiben. Ich liess sie ziehen und war

nun wohl auf Rang 5. Auf dem letzten Km sah ich eine weitere Frau und ich

probierte, sie einzuholen. Das gelang und ich überholte sie mit einem Lächeln

auf den Lippen.

Und dann kam der Zielsprint, der war super! Und meine Zeit erst - genial! So

schnell bin ich noch nie einen Halbmarathon gelaufen und das aus dem Training

raus und bei Dunkelheit und einigen Höhenmetern! 1:37:14 war die Endzeit und

Rang 4 von 138 Frauen! Mich ärgerte im Nachhinein, dass ich nur 8 Sekunden

hätte schneller sein müssen und dann wäre es nicht mehr Rang 4 sondern Rang 3

gewesen. Genau diese Sekunden habe ich wohl beim Start verloren....

Schade.... In der Alterskategorie wurde ich 1. Dennoch, ich war äusserst

zufrieden, meine Ferse leider nicht. Die machte sich unmittelbar nach dem

Zieleinlauf ziemlich bemerkbar, so dass ich zum Auto humpeln musste. Mit meiner

Kollegin, welche mich begleitete und selber auch gelaufen war, suchten wir die

Gepäckabgab. Ganz Aarberg umrundeten wir, ohne diese zu finden. Schlussendlich

landeten wir beim Auto und ich sagte meiner Kollegin, dass wir doch die Gepäckabgabe

per Auto suchen können. Leichter gesagt, als getan, denn in diesem Moment

bemerkte ich, dass ich den Autoschlüssel, welchen ich in einem Bauchtäschchen

mitgetragen hatte, nicht mehr drin war!!!!! Ich hatte in allem Ernst den

Schlüssel verloren. Mein Hausschlüssel war im Auto, der zweite Auto-Schlüssel

in Biel im Auto der Supporterin! Scheisse! Dabei wollten wir Dinus auf der Strecke

anfeuern gehen. Wir entschieden uns dann, nochmals ins Startgelände zu gehen um

1. den Schlüssel und 2. die Gepäckabgabe zu suchen. Im Zielgelände hörte

ich plötzlich den Speaker sagen: „Wer von euch kann mit dem Auto nicht

losfahren? Es wurde ein Schlüssel abgegeben!“ Ich hüpfte vor Freude herum! Ja, mein

Schlüssel wurde gefunden:-) und die Gepäckabgabe fanden wir dann auch noch....

Und es reichte uns sogar noch, Dinu in der Nähe vom Messen anzufeuern. Um 3Uhr

fiel ich todmüde für 3.5h ins Bett, ehe ich mit dem Bike wieder los düste, um

Dinu anzufeuern und ihn bis ins Ziel zu begleiten!
Wie Dinu seinen Lauf erlebt hat, wird er wohl erst in ein paar Tagen niederschreiben können!

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